Info Magazin Fokus - Sport schützt und therapiert

Sportliche Aktivität trägt zum Schutz vor Brustkrebs ebenso bei wie zu seiner erfolgreichen Behandlung. Das unterstreichen zwei neue Studien. Mit der Bedeutung von körperlicher Aktivität im Zusammenhang mit Brustkrebs haben sich zwei soeben veröffentlichte Studien unter völlig unterschiedlichen Aspekten beschäftigt. Beide unterstreichen die Bedeutung von Sport und Bewegung, um Risiken zu verringern beziehungsweise als hilfreiche Therapiebegleitung für die Erkrankung.

Wissenschaftler der Universität von Wisconsin in Madison haben in ihrer Untersuchung mit 15 000 Teilnehmerinnen festgestellt, dass sechs Stunden intensiven Freizeitsports pro Woche das Risiko für invasiven Brustkrebs um 23 Prozent senken kann. Diese Schutzwirkung besteht nach Forscherangaben unabhängig vom Alter der Frauen. Studienleiter Brian Sprague sagt: "Der Hormonspiegel von Frauen variiert stark in den verschiedenen Lebensphasen. Aber aktive Sportlerinnen haben in jedem Alter meist niedrigere Östrogenwerte als inaktive Frauen. Wir haben in unserer Studie festgestellt, dass der schützende Effekt der intensiven Bewegung sowohl für junge Frauen als auch für Frauen in der Menopause greift." Abgesehen vom Östrogenspiegel beeinflusst Sport auch andere Risikofaktoren für Krebs: Er verhindert Übergewicht, beeinflusst die Insulinempfindlichkeit und das Immunsystem des Körpers. Für die Studie, die im Fachmagazin "Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention" erschienen ist, hatten Forscher 7630 Frauen ohne Brustkrebs, 1689 Frauen, die ein oberflächliches Brustkarzinom überstanden haben, und 6391 Frauen mit invasivem Brustkrebs befragt. Die Wissenschaftler planen weitere Studien, die nicht nur Freizeitsport berücksichtigen sollen, sondern auch körperliche Aktivität in Beruf und Haushalt. Gruppensport hilft Krebspatientinnen An der Universität Glasgow haben Wissenschaftler untersucht, inwieweit Gruppensport unter der Anleitung eines Trainers sich auf das Befinden von Frauen auswirkt, die eine Behandlung wegen Brustkrebs im Frühstadium durchlaufen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass diese Form sportlicher Aktivität den Frauen körperlich und psychisch hilft. Von den 200 Studienteilnehmerinnen hatte die Hälfte noch während ihrer Krebstherapie ein Sportprogramm mit zwei Gruppenstunden pro Woche begonnen. Die andere Hälfte bekam die übliche Therapie ohne Sport. Der positive Effekt war nicht nur nach dem zwölfwöchigen Sportprogramm, sondern auch noch in der Nachuntersuchung sechs Monate später festzustellen. Die Wissenschaftler um Nanette Mutrie räumen ein, dass sie nicht eindeutig sagen können, welcher Aspekt des Gruppentrainings - die Übungen oder das Gemeinschaftsgefühl - für die positive Wirkung verantwortlich war. Sie halten es aber für überlegenswert, solche gemeinsamen Sportstunden für Brustkrebspatientinnen in den Behandlungskatalog aufzunehmen. "Die begleitende Krebsbehandlung konzentriert sich auf psychologische und soziale Unterstützung", schreiben die Forscher in der Veröffentlichung im "British Medical Journal" (BMJ), "die körperlichen Probleme, wie Erschöpfung, Gewichtszunahme oder auch Bewegungseinschränkungen, bleiben dabei außen vor." Dabei haben schon verschiedene Studien nachgewiesen, wie hilfreich Sport in der Brustkrebsbehandlung ist: Die Rückfallquote sportlicher Frauen liegt deutlich niedriger, sie meistern ihren Alltag, die körperliche und psychische Belastung leichter. Allerdings bleibt es bisher den Patientinnen überlassen, ob sie Sport treiben wollen. Nach Erfahrung der Wissenschaftler geben viele Frauen nach der Diagnose "Krebs" ihren aktiven Lebensstil auf, sie sind entweder mutlos oder wollen sich schonen. Sie verzichten dadurch auf die positiven Effekte, die der Sport haben kann. Die behandelnden Ärzte sollten die Frauen deshalb stärker ermutigen, körperlich aktiv und beweglich zu bleiben, so die Wissenschaftler im BMJ. pap/BMJ, American Association of Cancer Research